Wenn neue Technik auf alte Geschäftsmodelle trifft

Elektroautos sind gerade der letzte Schrei. Über die Umweltfreundlichkeit läßt sich trefflich streiten. Es fängt bei der sehr umweltschädlichen Produktion an  geht  bei der Stromerzeugung weiter und endet mit einer sehr problematischen Entsorgung des Fahrzeugs.. Was aus unseren Ladesäulen fließt, kommt im günstigsten Fall aus dem Atomkraftwerk in Gundremmingen könnte aber auch aus einem rheinischen Braunkohlekraftwerk stammen.

Soweit mal die Fakten.

Gehört man zu den glücklichen Besitzern eines Tesla, bekommt man eine spezielle Tankkarte und eine App mit der man alle angeschlossenen Schnellladestationen nutzen kann. Soweit ich gehört habe – weltwelt.

Gehört man hingegen zu den Besitzern eines…..sagen wir mal Elektrosmart, Opel Ampera oder VW Golfs, dann hat man ein Problem. Man benötigt diverse Tankkarten, Adapter und Apps um an die passende oder zumindest halbwegs passende Säule zu kommen. Da man keinen „Kanister Watt“ im Kofferraum hat, sollte man im Besitz starker Nerven sein. Bisher konnte man an sehr vielen Ladesäulen kostenlos aufladen, das machte viel Unbill wieder wett. Okay, manchmal waren die Ladesäulen kaputt oder schon wieder abgebaut, manchmal mußte man diverse Karten durchprobieren bis mal eine akzeptiert wurde, oft ging ohne Hotline (Ihr Anruf ist uns wichtig, der nächste freie Mitarbeiter ist bald für Sie da…..) Egal, Geld sparen und gutes Gewissen das hat doch was. Zusätzlich das gute Gefühl ein Ökopionier zu sein.

Da schwillt die Brust!

Ab 2.7. schwillt auch der Kamm!

Die SWU macht (zurecht, warum soll ich das quersubventionieren?) Schluß mit dem kostenlosen Stromziehen, ab jetzt muß gelöhnt werden. Man darf aber hoffen, daß Tarifmodelle wie bei den Stadtwerken nicht zur Mode werden. Man hat ab 1.7. die Wahl aus zwei Tarifen: Flatrate für 30€ im Monat, oder 9,90€ pro Monat Grundgebühr und 3€ pro Ladevorgang. Der durchschnittliche Pendler muß nun hoffen am Arbeitsort auf eine Ladestation zu treffen, welche die SWU-Karte akzeptiert, sonst wird es teuer und er muß unter Umständen zweimal Grundgebühr zahlen.

Für beispielsweise Handwerker, Aussendienstler und Urlauber beginnt das Modell an dieser Stelle zur Farce zu werden. Das Modell wird dank Grundgebühren unwirtschaftlich. Stellen Sie sich mal vor, sie könnten nur noch mit einer Kundenkarte bei einer speziellen Marke tanken und müßten für diese Marke eine Grundgebühr bezahlen, dazu bekommen Sie eine Liste von Tankstellen, die Sie auch nutzen können, aber eine andere Marke haben. Kommen Sie in eine Gegend, in der diese Marke schwach ist oder ins nahe Ausland dann brauchen Sie eine andere Karte, einen anderen Tarif und so weiter.

Mit dem Stromer nach Tirol oder ins Savognin zum Skifahren? Na ja, nur mit viel Zeit diversen Apps (Achtung in der Schweiz unter Umständen mit Datenroaminggebühren am Handy!) einer Sammlung Karten, die alle im Monat „Brot fressen“? Mit dem Kofferraum voller Adapter?

Mal im Ernst. Das ist nicht Euer Ernst.

Warum zahle ich nicht per Verbrauch? Warum wird das nicht über die monatliche Rechnung abgerechnet? Warum geht das nicht so einfach wie bei Tesla? Warum gibt es keine Prepaidkarte? Warum kann ich nicht einfach überhaupt mit App, EC- oder Kreditkarte zahlen?

Ich bleibe bei meinem Beschißdiesel. Bleibt mir nichts anderes übrig….

 

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